„Unverzichtbar für eine funktionierende Gesellschaft“
Der Evangelische Bauerntag in der Kirche in Donop thematisierte das Ehrenamt
Superintendent Dirk Hauptmeier, Beauftragter der Lippischen Landeskirche für den ländlichen Raum, und Christoph Bebermeier, Vorsitzender der Kammer für den ländlichen Raum, begrüßten die Gäste. Hauptmeier machte deutlich, dass es immer schwieriger werde, Menschen zu finden, die bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. In seinem geistlichen Impuls griff er das Bibelwort aus 1. Samuel 16,7 auf: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“ Viele ehrenamtliche Tätigkeiten würden kaum wahrgenommen. Gott jedoch sehe auch den Einsatz, der oft im Verborgenen geschehe.
Landrat Meinolf Haase bezeichnete Landwirtschaft und Ehrenamt in seinem Impulsreferat als „Zwillinge im Geiste“. Beide seien geprägt von Verantwortungsbewusstsein, Nachhaltigkeit und Gemeinsinn. Ehrenamtliches Engagement stifte Sinn, fördere den Zusammenhalt und sei unverzichtbar für eine funktionierende Gesellschaft. Haase würdigte die Landwirtschaft als Kulturträger und wichtige Stütze des ländlichen Lebens. „Ich werde als Landrat immer ein offenes Ohr für die Belange des Ehrenamtes und der Landwirtschaft haben“, versprach er.
Im Anschluss diskutierten Vertreter verschiedener Organisationen über ihre Erfahrungen im Ehrenamt.
Susanne Koch-Henning vom Hospiz-Verein Lippe berichtete von ihren regelmäßigen Besuchen auf der Palliativstation. Oft sei sie als neutrale Gesprächspartnerin für kranke Menschen besonders wichtig. Ute Kiel, hauptamtliche Koordinatorin des Vereins, betonte, dass Ehrenamtliche durch Schulungen und Supervision umfassend begleitet würden.
Wie stark ehrenamtliches Engagement das Dorfleben prägt, zeigte Ilse-Marie Büscher vom Dorfverein Extertal-Kükenbruch. Die Mitgründerin und Vorsitzende engagiert sich seit 30 Jahren für die Gemeinschaft. Gemeinsam kümmern sie sich um Wanderwege und Spielplätze und organisieren Dorffeste. Für dieses Engagement wurde der Verein mit dem Heimatpreis des Kreises Lippe ausgezeichnet.
Auf die Schwierigkeiten der Nachwuchsgewinnung wies Ilse Petig von den LandFrauen Lippe hin. Zwar biete der Verband ein abwechslungsreiches Jahresprogramm, doch insbesondere für Vorstandsaufgaben würden dringend jüngere Mitstreiterinnen gesucht.
Auch die Kirchengemeinde Donop lebt von ehrenamtlichem Einsatz. Bärbel Knollmann engagiert sich seit zwei Jahrzehnten im Kirchenvorstand, spielt im Posaunenchor und unterstützt die Geschäftsführung der gemeindeeigenen Kindertagesstätte. Die enge Zusammenarbeit von Ehren- und Hauptamtlichen sei erfolgreich.
Für die Feuerwehr sprach Heiko Mühlenmeier, stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Blomberg. Er hob die gute Kameradschaft hervor, die viele Belastungen auffange. Bei Konflikten sei es wichtig, nach vorne zu blicken und Lösungen zu finden. Kraft schöpfe er aus seiner Familie und Freundschaften.
Aus Sicht der Landwirtschaft schilderte Hartmut Brunkhorst aus Lindhorst seine Erfahrungen aus 29 Jahren Vorstandsarbeit beim Raiffeisen-Landbund eG (RLB). Ehrenamtliches Engagement bringe auch persönliche Bereicherungen. Man knüpfe Kontakte, erweitere den eigenen Horizont und lerne, Kompromisse zu finden, die von allen getragen werden könnten.
Beiträge des Publikums verdeutlichten, dass ehrenamtliches Engagement jungen Menschen berufliche Perspektiven eröffnen kann und für die Demokratie wichtig ist.
