Muntari Adam zurückholen

Unterschriftenaktion der Kirchengemeinde Cappel

Kreis Lippe/Cappel. Mit einer Unterschriftenaktion versucht die ev.-ref. Kirchengemeinde Cappel derzeit möglichst viele Menschen zu gewinnen, die sich dafür aussprechen, Muntari Adam nach Blomberg zurückzuholen. Schon zahlreiche Lipperinnen und Lipper haben unterschrieben. Sie fordern die zuständigen Entscheidungsträger auf, „unverzüglich alle notwendigen Schritte für eine schnelle Rückkehr von Muntari Adam nach Blomberg zu unternehmen.“

Die Unterschriftenliste kann unter https://kirche-cappel-istrup.de/ heruntergeladen werden.

Vor inzwischen dreieinhalb Wochen wurde Muntari Adam (34) aus Blomberg (Cappel) nach Ghana abgeschoben. Für ihn selber, aber auch für Freunde und Unterstützer völlig überraschend war er am frühen Morgen des 21. November durch die Ausländerbehörde das Kreises Lippe abgeholt worden. Die Abschiebung erfolgte ohne Ankündigung und entgegen eines positiven Votums der Härtefallkommission des Landes Nordrhein-Westfalen. Diese hatte sich im Frühjahr 2019 aufgrund des tragischen Einzelfalles und der individuellen Härte für ein Bleiberecht ausgesprochen. Dennoch entschied der Kreis Lippe, diese rechtliche Möglichkeit nicht zu nutzen, sondern die Abschiebung durchzuführen, und das, obwohl Muntari Adam aufgrund traumatischer Erfahrungen eine psychosoziale Tagesbetreuung besuchte. 

Landessuperintendent Dietmar Arends zeigt sich immer noch erschüttert: „Diese Abschiebung lässt einen fassungslos zurück. Bei einem Menschen, der offensichtlich krank ist, der in dem Land, aus dem er vor 17 Jahren geflohen ist, keine Perspektive hat, dessen gesamte Familie dort ums Leben kam, und der in Lippe inzwischen über ein ganzes Netz von Beziehungen verfügt, kann man doch nur fragen: Warum?“

„Ich mache mir jetzt sehr große Sorgen um Muntari“, ergänzt Dieter Bökemeier, Pfarrer für Flucht und Migration der Lippischen Landeskirche. Er kennt den Betreffenden gut und hat Kontakt über Internet zu ihm herstellen können. „Aus seinen Nachrichten aus Ghana spricht große Verzweiflung. Er hat kein Geld, die Krankheit hat sich verschlechtert, ohne ausreichend behandelt werden zu können. Er sieht keine Zukunft für sich. Wir versuchen zusammen mit der Kirchengemeinde Cappel aus der Ferne irgendwie zu helfen.“

Muntari Adam wurde abgeschoben in ein Land, aus dem er vor 17 Jahren als 19-jähriger geflohen war. Unmittelbar zuvor war seine gesamte Familie in einem lokalen Krieg in Nordghana an Heiligabend 2002 ermordet worden. Danach lebte er neun Jahre in Libyen, bis er dort in den Bürgerkrieg und die Bombardierungen geriet und von Milizen unter Gewaltandrohung nach Italien gebracht wurde. Seit fünfeinhalb Jahren schließlich lebte er in Deutschland. Hier war er endlich angekommen, hatte Freunde, war Mitglied der ev.-ref. Kirchengemeinde Cappel und des internationalen Bibelkreises in Detmold. Gerade nach der positiven Entscheidung der Härtefallkommission hatte er Hoffnung geschöpft, in Deutschland bleiben zu können.

 

Rückfragen an: Dieter Bökemeier, Pfarrer für Flucht und Migration, Tel.: 05231/976-851

 

18.12.2019

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