Fairer Handel oder Benachteiligung der Schwachen?

Tag der Landwirtschaft: Experten diskutierten Vor- und Nachteile des TTIP-Handelsabkommens

Luden ein zur TTIP-Diskussion in der Marktkirche (im Hintergrund): Cajus Caesar MdB, Pfarrerin Christina Hilkemeier (Lage), Landessuperintendent Dietmar Arends, Francisco Mari (Brot für die Welt), LLHV-Vorsitzender Dieter Hagedorn, Moderatorin Monika Korbach, Superintendent Dirk Hauptmeier (landeskirchlicher Beauftragter für den „Dienst auf dem Lande“) und Referent Willi Kampmann (von links).

Lage. Nutzen oder Gefahr, Chance oder Risiko: Wie dringend oder entbehrlich ist das transatlantische Handelsabkommen (TTIP) für die USA, Europa und Deutschland? Über diese und weitere Fragen diskutierten in der Marktkirche Lage während des dortigen „Tages der Landwirtschaft“ am Samstag, 11. Juni 2016, Francisco Mari, Referent für Welternährung, Agrarhandel und Meerespolitik bei Brot für die Welt, Cajus Julius Caesar, lippischer CDU-Bundestagsabgeordneter, und Willi Kampmann, Referent für Internationale Beziehungen beim Deutschen Bauernverband, Büro Brüssel. Moderiert wurde die Veranstaltung von der landeskirchliche Bildungsreferentin Monika Korbach.

Den Auftaktimpuls gab der lippische Landessuperintendent Dietmar Arends: Seiner Ansicht nach treffen bei den Verhandlungen zwischen EU und USA beim Thema Verbraucherschutz vermutlich „ganz unterschiedliche Kulturen“ aufeinander. Auch wenn die Verhandlungen nicht öffentlich geführt würden, sei klar, dass Drittstaaten außerhalb der EU und der USA vom Verhandlungsergebnis „massiv betroffen sein werden“.

Bundestagsabgeordneter Cajus Caesar (CDU) sprach sich dafür aus, den wirtschaftlichen Nutzen des Handelsabkommens zum Maßstab der Bewertung machen. Das bedeute aber nicht, produkt- und verbraucherschutzbezogene Standards abzusenken. Diese müssten erhalten oder möglichst verbessert werden. TTIP biete die Chance, den größten Binnenmarkt weltweit zu schaffen. Ein Binnenmarkt mit 50 Prozent der wirtschaftlichen Weltproduktion und mit 800 Millionen Menschen führe zu „mehr Wachstum und Jobs in Europa und Deutschland“.

Bundesregierung und Bundestag würden TTIP nur zustimmen, wenn die Standards beim Umwelt- und Verbraucherschutz nicht abgesenkt würden. Caesar: „Deutschland und die EU haben schon viele Handelsabkommen abgeschlossen und nie ist es zu einer Absenkung der Maßstäbe auf ein niedriges Niveau gekommen.“ Insofern trage die Diskussion in der Marktkirche sicherlich dazu bei, einer unzureichenden Berichterstattung und Desinformationskampagnen entgegenzutreten.

„Ein Schlag ins Gesicht“

Francisco Mari stellte klar, dass Brot für die Welt, das entwicklungspolitische Werk der evangelischen Kirchen in Deutschland, das Handelsabkommen ablehne, soweit dessen Inhalte bis jetzt bekannt und bestätigt sind. Mari: „TTIP ist eine deutliche Absage an ein multilaterales Handelssystem und ein Schlag ins Gesicht der Entwicklungsländer“.

Das transatlantische Abkommen wolle Weltstandards setzen, denen der Rest der Welt zu folgen habe. Für Entwicklungsländer heiße dies, dass ihre Interessen beispielsweise im Agrarbereich in Zukunft unberücksichtigt blieben. „Die Angleichung des europäischen und des US-amerikanischen Landwirtschaftssystems in Richtung noch intensiverer und stark industrieller Landwirtschaft wird zu noch größeren Überschüssen und zahlreichen Zweite-Wahl-Produkten führen“, sagte Mari. Diese würden „zu Billigstpreisen exportiert und die schutzlosen Agrarmärkte von Kleinbauern in den Entwicklungsländern überfluten und die Kleinbauern von ihren Märkten verdrängen“.

TTIP wird nach Ansicht des Brot für die Welt-Referenten auf vielfältige Weise zu Handelsumlenkungen zuungunsten der Länder des Südens führen. Mari: „Durch die Zollabsenkung für US-Produkte, die bisher zollfrei von Entwicklungsländern in die EU eingeführt werden konnten, werden die USA auch bei tropischen Produkten einen Wettbewerbsvorteil haben (Ananas, Nüsse, Zitrusfrüchte, Fisch usw.) und Marktanteile der Entwicklungsländer übernehmen“.

Umgekehrt würden EU-Exporte mit einer Rohstoffbasis in den Entwicklungsländern (Röstkaffee, Schokolade) bei Zollabsenkungen der USA den direkten Zugang von solchen verarbeiten Agrarprodukten in die USA für Entwicklungsländer erschweren. Die Länder des Südens blieben reine Rohstofflieferanten (beispielsweise Kakao) ohne Chance auf höhere Wertschöpfung durch eigene Weiterverarbeitung ihrer Rohprodukte (beispielsweise Schokolade).

„Handel bekämpft Hunger“

Bauernverband-Vertreter Willi Kampmann betonte das große Interesse Deutschlands an einem TTIP-Abschluss. Ein Viertel aller Arbeitsplätze in Deutschland hänge ab vom Export. TTIP trage dazu bei, diese Arbeitsplätze und die damit zusammenhängenden Sozialstandards zu sichern. Der Handel in seiner jetzigen Form habe den Hunger bekämpft und die Zahl der Hungernden verringert. Beim transatlantischen Handelsabkommen gehe es im Agrarbereich nicht um einen schrankenlosen, sondern um einen „fairen Handel“. An der europäischen Gentechnik-Gesetzgebung werde sich nichts ändern.

Der Referent des Deutschen Bauernverbandes wies die Kritik zurück, dass TTIP die afrikanische Landwirtschaft zu Boden drücke. In vielen afrikanischen Ländern fehlten verlässliche politische Rahmenbedingungen, um die dortigen Bauern zu schützen. Wie es besser gehe, zeige Südafrika. Dort gebe es stabile Politik- und Rechtsstrukturen und folglich auch funktionierende Produktionsstätten. In anderen Ländern fehle diese Verlässlichkeit, weil die dortigen politischen Eliten offenbar kein Interesse daran und an einer starken heimischen Landwirtschaft hätten.

Brot für die Welt solle sich für ein Absenken der innerafrikanischen Zollgrenzen einsetzen, um den dortigen Binnenhandel zu stärken, regte Kampmann an. Die Zölle und damit die Handelshemmnisse zwischen afrikanischen Nachbarländern seien oft höher als die zwischen diesen Ländern und der Europäischen Union.

„Vertrauen durch Transparenz“

Dieter Hagedorn, Vorsitzender des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LLHV) und einer der Ausrichter des „Tages der Landwirtschaft“, bilanzierte nach knapp 120 Minuten eine intensiv, aber fair geführte Diskussion. Jedes Abkommen müsse eine „gesunde wirtschaftliche Entwicklung“ ermöglichen, sonst gehe es zu Lasten des Verbrauchers. Hagedorn: „Ich denke hierbei nicht nur an technische Geräte, sondern auch an Lebensmittel oder an die Patentierung von Pflanzen. Hiergegen spricht sich die Landwirtschaft aus, da wir schon ein hervorragendes Sortenschutzgesetz haben“.

An die etwa 100 Zuhörer gerichtet sagte der LLHV-Vorsitzende: „Keiner von uns kann heute endgültig sagen, TTIP ist gut oder schlecht, aber ich hoffe, Sie haben neue Sichtweisen hinzugewonnen. Letztlich kann Vertrauen nur durch Transparenz entstehen“.

 

14.06.2016

Antisemitismus deutlich widersprechen

Landessuperintendent Dietmar Arends predigt im Gottesdienst in Warschau

Kreis Lippe/Warschau. Anlässlich des 75. Jahrestages des Aufstands im Warschauer Ghetto hat Landessuperintendent Dietmar Arends gefordert, die Erinnerung an das, was geschehen ist, wachzuhalten. In seiner Predigt am Sonntag, 22. April, in der evangelisch-reformierten Kirche in Warschau sagte Arends: „Es gibt immer wieder Stimmen – und sie werden wieder lauter bei uns – die sagen, es muss doch einmal Schluss sein mit dem Erinnern. Nein, es darf nicht Schluss sein mit dem Erinnern! Nur wenn wir uns erinnern, können wir davor bewahrt werden, dass Ähnliches wieder geschieht. Zu deutlich sehen wir in dieser Welt, wozu Menschen fähig sind. Zu deutlich sehen wir, dass Antisemitismus in Deutschland und an anderen Orten wieder um sich greift.“

Nachhaltige Solidarität mit Geflüchteten

Gottesdienst in der Reihe Profile am Sonntag, 29. April, 17 Uhr in Lage

Kreis Lippe/Lage. Unter dem Bibelwort „Verflucht, wer das Recht des Fremden beugt“ (5. Mose 27,19) kommt die Gottesdienstreihe „Profile“ am Sonntag, 29. April, um 17 Uhr in die ev.-luth. Heilig-Geist-Kirche am Sedanplatz in Lage. Gefeiert wird in diesem Profile-Gottesdienst, dass es seit 25 Jahren das Ökumenische Forum Flüchtlinge in Lippe gibt – für nachhaltige Solidarität mit Geflüchteten.

Wir müssen reden!

Talk der Religionen mit Christen, Juden und Muslimen

Detmold. Es wurde eng im Islamischen Kommunikationszentrum (Industriestraße), als Öffentlichkeitsreferent Nihat Köse zum „Talk der Religionen“ rund 100 Gäste begrüßen konnte. Unter dem Titel „Wir müssen reden!“ laden Vertreterinnen und Vertreter der drei Weltreligionen in insgesamt drei Veranstaltungen zum Gespräch in Moschee, Synagoge und Kirche ein. Auftakt war in Detmold in der Moschee im Islamischen Kommunikationszentrum. Christen, Juden und Muslime saßen zusammen am runden Tisch und sprachen über ihren Glauben, das Leben ihrer Gemeinden und aktuelle Sorgen. Das Publikum war zur Beteiligung eingeladen.

Aktion 5000 Brote

2018 ist wieder ein Aktionsjahr für das Konfi-Projekt „5000 Brote – Konfirmand/innen backen Brot für die Welt“.

Kirchengemeinden sind eingeladen, vorzugsweise in der Zeit von Erntedank bis 1. Advent mit lokalen Bäckereien Brot zu backen, es anschließend zu verkaufen und das Geld für Projekte von Brot für die Welt zu spenden (zum Beispiel durch Verkauf nach Gottesdiensten). Im Konfi-Unterricht kann die Aktion mit verschiedenen Themenschwerpunkten wie z.B. Gerechtigkeit, biblische Geschichten rund um Brot und Nahrungsmittel oder auch Konsumverhalten verknüpft werden.

Tauffest in Lemgo

Anmeldungen in den Lemgoer Kirchengemeinden noch möglich

Lemgo. Evangelische und katholische Kirchengemeinden veranstalten am Sonntag, 10. Juni, das zweite große Tauffest in Lemgo. Ort ist der zentral gelegene Abteigarten. Bei schlechtem Wetter wird das Tauffest in die benachbarte Kirche St. Marien verlegt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind durch Gemeindebriefe und persönliche Ansprache eingeladen worden, sich taufen zu lassen – der aktuelle Anmeldestand liegt bei 43 Täuflingen. Interessenten können sich noch im Gemeindebüro ihrer Kirchengemeinde, den Pfarrern oder online anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Sterben und Tod im Märchen

Erzählabend mit Harfenmusik in Detmold mit 70 Gästen

Kreis Lippe/Detmold. Passend zur Passionszeit hat sich die Lippische Landeskirche in Kooperation mit dem Bestattungsinstitut wegezumabschied dem Thema „Sterben, Tod und Weiterleben im Märchen“ gewidmet. Die Bielefelder Märchenerzählerin Simone Warken nahm rund 70 Gäste in der „WerkHalle“, Kreativ-Ort des Bestatters Hanno Ramrath in Detmold-Heidenoldendorf, durch Erzählungen und Harfenmusik mit auf eine Reise in die Mystik der Märchenwelt.

Der innere Schiedsrichter

Respekttraining am Dietrich-Bonhoeffer-Berufskolleg

Kreis Lippe/Detmold. Sie lachen, kugeln sich auf dem Boden, haben Spaß – etwa 20 junge Leute aus aller Welt, aus Polen, Irak, Iran, Türkei, Afghanistan, Bangladesch oder aus Armenien. Da gibt es Pawel, Asra oder Melissa, Rokhsar oder Safiullah und viele von ihnen teilen das gleiche Schicksal. Sie sind Geflüchtete im Alter von 15 bis 20 Jahren, mit Familie oder unbegleitet in Deutschland und alle diese jungen Menschen versuchen, hier Fuß zu fassen – die Schule abzuschließen, eine Ausbildung anzufangen, sich ein Leben aufzubauen. Dabei will ihnen das sogenannte Respekttraining im Sportzentrum des Dietrich-Bonhoeffer-Berufskollegs (DBB) helfen, eine Kooperation des DBB mit der Lippischen Landeskirche, deren Diakoniereferat die Kosten des Projekts trägt.

Bunte Glaubenswelt

Marktplatzgespräch: Die Begegnung mit dem Anderen als Chance

Detmold. Das interreligiöse Miteinander in einer pluralen Gesellschaft war Thema des Abends „Bunte Glaubenswelt“ im Rahmen der Reihe „Marktplatzgespräche“ im Gemeindehaus der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Detmold-Ost. Dr. Marc Breuer (Professor für Soziologie an der Katholischen Hochschule Paderborn), Andreas Mattke (Landespfarrer für Kirche und Schule) und Cemil Sahinöz (Autor, Soziologe und Vorsitzender der Islamischen Gemeinden Bielefeld) diskutierten über das Gespräch der Religionen und die Herausforderungen der Zukunft.

Bestandteile des Lebens

"Profile"-Gottesdienst über Sterben, Tod und Trauer

Bad Salzuflen-Retzen. Die Gottesdienstreihe „Profile“ war zu Gast in der evangelisch-reformierten Gemeinde Retzen. Die Reihe rückt Fragen, Themen und Aufgaben in den Blick, die das Gesicht der Lippischen Landeskirche mitprägen. Insgesamt zwölf Gottesdienste in zwölf lippischen Kirchen werden im Jahr gefeiert. Verbindendes Element ist ein buntes Sofa, auf dem Menschen Platz nehmen und über ihre Arbeit, Motivation und ihren Glauben sprechen.

Die moderne Hexenjagd im Internet

Vortrag: Kommunikationswissenschaftler Fabian Prochazka erklärt das Phänomen der Online-Hasskommentare

Detmold. Sind Hasskommentare im Internet eine neue Form der Hexenverfolgung im digitalen Zeitalter? Dieser Frage ging der Kommunikationswissenschaftler Fabian Prochazka (Hohenheim) auf Einladung des Bildungsreferats der Lippischen Landeskirche in Kooperation mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Berufskolleg (DBB) in der Mensa des DBB auf den Grund. In seinem Vortrag „Digitaler Hass – Die ‚Hetz‘ im Netz“ zeigte er auf, wie sich Menschenverachtung in den sozialen Netzwerken verbreiten kann.
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