Zustände in der Bekleidungsindustrie verbessern

Vortrag mit Dagmar Rehse über Produktion und Konsum

Kritische Blicke auf die Textilindustrie. Entwicklungspolitologin Dagmar Rehse aus Berlin motiviert zum nachhaltigen Umgang mit Kleidung.

Detmold. „Von der Produktion zum Konsum – die Bekleidungsindustrie als Frauenthema“. Im Rahmen der Wanderausstellung „Ich mache Deine Kleidung! Die starken Frauen aus SüdOstAsien“ und zum Jubiläum „50 Jahre Fairer Handel“ sprach Entwicklungspolitologin Dagmar Rehse (FEMNET e.V.) im Gemeindehaus der Erlöserkirche in Detmold über die Ausbeutung in der Bekleidungsindustrie. FEMNET e.V. steht für Feministische Perspektiven auf Politik, Wirtschaft & Gesellschaft und setzt sich weltweit für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte von Frauen ein.

Mit einem Poetry Slam von Emma Eder über Kleidungskonsum begrüßten Sabine Hartmann, Referentin für ökumenisches Lernen der Lippischen Landeskirche, und Pfarrerin Mareike Lesemann, ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-Ost, die Gäste.

Es sind überwiegend Frauen, die in Textilfabriken Südostasiens ausgebeutet werden. Schlechte Löhne, lange Arbeitszeiten und gesundheitliche Belastungen durch chemische Mittel sind ihr tägliches Los, erläuterte Dagmar Rehse. Sie informierte über den ansteigenden Kleidungskonsum in Deutschland und die schlechten Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern. Jeder Deutsche verbrauche 14 kg Bekleidung im Jahr: „Seit 1980 hat sich der Kleidungskonsum vervierfacht und jährlich fallen 1,3 Millionen Tonnen Altkleider an.“ Niedrige Preise und minderwertige Qualität der „Fast Fashion“ vermehrten ökologische Schäden und die Ausbeutung in den Produktionsländern. „Die Bekleidungsindustrie wird weltweit von Frauen getragen, deren Lohn kaum zum Leben reicht.“ Im Krankheitsfall gebe es keine Lohnfortzahlung und unbezahlte Überstunden seien die Regel.

Zum Beispiel im Baumwollanbau in Usbekistan. Menschen würden sklavenähnlich ausgebeutet und der Aralsee trockengelegt. Die Baumwollwirtschaft mache ein Drittel der Deviseneinnahmen aus. Usbekische Politiker seien eng mit der Baumwollindustrie verbunden, weswegen Reformen ausblieben. In Erntemonaten werde die gesamte Bevölkerung zur Zwangsarbeit verpflichtet. Oder Indien: Die Garnproduktion hier sei heiß, laut und staubig. Die Arbeiterinnen in den Spinnereien lebten isoliert von ihren Familien zusammengepfercht in Massenunterkünften, wo sie einem Aufseher unterstellt seien. Die Konfektionierung wie Zuschneiden und Nähen finde in Bangladesch und Kambodscha statt, wo die Löhne weltweit am niedrigsten seien. „Die Lohnkosten machen nur 2,6% aus, da der monatliche Mindestlohn, der oft noch unterschritten wird, bei nur 83 Euro liegt.“

Die Arbeitsbedingungen in der Türkei und Osteuropa seien nicht viel besser. „Bei teureren Jeans erhalten die Arbeiterinnen nicht mehr Lohn. Es gibt aber Fair-Trade-Marken, die auf Nachhaltigkeit und gerechte Löhne achten.“ 

Dagmar Rehse gab Anregungen, was Konsumenten in Deutschland machen können, damit sich die Zustände der Bekleidungsindustrie verbessern. Ein Lieferkettengesetz, wie es in Frankreich bereits existiere, würde die Unternehmen in allen Phasen der Lieferkette für Umweltschädigungen und unmenschliche Arbeitsbedingungen in Haft nehmen. Kritische Konsumenten und starke Frauen entlang der Lieferkette könnten die Modeindustrie verändern, wenn sie die Herkunft der Kleidung kritisch hinterfragten und sich für gerechtere Arbeitsbedingungen einsetzten. Wie das gehen kann, verdeutlichte der Eine-Welt-Laden Alavanyo an diesem Abend mit dem Verkauf von fair gehandelter Kleidung.

03.11.2020

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