Gemeinsamer Friedensgottesdienst

Kirchen in Łódź und Talle per Liveschaltung verbunden

Die Friedenstafel am Eingang der Peterskirche.

Kreis Lippe/Kalletal-Talle/Łódź. Zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen am 1. September 1939 haben die Lippische Landeskirche und die Evangelisch-Reformierte Kirche in Polen einen Friedensgottesdienst gefeiert. Per Video-Liveschaltung war die evangelisch-reformierte Peterskirche in Talle mit der Gemeinde der polnischen Partnerkirche in Łódź verbunden. Die Lippische Landeskirche und die Gemeinde in Łódź hatten hierfür jeweils einen Geistlichen zum Gottesdienst ins Nachbarland entsandt.

Pfarrer Thorsten Rosenau begrüßte die Gäste des Gottesdienstes in Talle, der vom Posaunenchor der Kirchengemeinde musikalisch umrahmt wurde, unterstützt durch weitere Kalletaler Bläser und Landesposaunenwart Christian Kornmaul.

„Wir sind dankbar für die Versöhnung, die wir nach den schrecklichen deutschen Verbrechen in Polen mit unseren Partnern erfahren durften“, sagte Dieter Bökemeier, Landespfarrer für Ökumene und Mission der Lippischen Landeskirche. Kontakte und Versöhnungsarbeit gebe es seit Ende der 70er Jahre, formale Kontakte seit 1981. Im Jahr 1997 haben die Lippische Landeskirche und die Evangelische-Reformierte Kirche in Polen einen Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. Eine kurze Videopräsentation stellte die acht polnischen Partnergemeinden von Warschau bis Łódź vor, die etwa 2.000 Gemeindemitglieder betreuen. Pfarrerin Karin Möller, Polen-Beauftragte der Lippischen Landeskirche, sprach ein Friedensgebet in polnischer Sprache. 

Der Ökumenebeauftragte der Reformierten Kirche in Polen, Pfarrer Semko Koroza, hielt in Talle eine Dialogpredigt mit dem Friedensbeauftragte der Lippischen Landeskirche, Pfarrer i.R. Christian Brehme, der in Łódź auf der Kanzel stand. Die Predigt wurde in die jeweilige Landessprache übersetzt. Beide erinnerten an die Millionen Toten, Zerstörung und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg. Am Antikriegstag dankten sie für die geschenkte Versöhnung und baten für Frieden in Europa und in der Welt.

„Deutschland muss sich schämen. Mein Volk muss um Entschuldigung bitten“, sagte Brehme. „Meine Generation hat dieses Morden nicht veranstaltet, die Verbrechen bleiben jedoch unser Erbe.“ Die Predigt bezog sich auf den Text der Offenbarung 22,1-2, die einen Baum verheißt, dessen Blätter „zur Heilung der Volker“ dienen. Mit diesem Wort sei uns eine Medizin gegeben, deren heilende Kraft von Gott komme. Sie wirke Vergebung und Versöhnung.

Damit Vergebung und Versöhnung funktionieren, „müssen wir unsere Vergangenheit gemeinsam verstehen, damit wir die Fehler der Geschichte nicht wiederholen“, ergänzte der polnische Pfarrer Koroza. „Wir wollen hören, was am Ende unser Gott sagen will. Gott beruft uns zu Liebe, Gleichheit, Toleranz und Barmherzigkeit.“

Jürgen Prüßner gab Informationen zur Baugeschichte der Peterskirche in Talle, dessen Altarfenster die Inschrift: „Er ist unser Friede“ trägt. Frieden sei kein Zustand, sondern ein Auftrag. Kalletals Bürgermeister Mario Hecker enthüllte die Friedenstafel am Kircheingang, die in 20 Sprachen mit dem Wort „Frieden“ und der Bitte „Lenke unsere Schritte auf den Weg des Friedens“ begrüßt.   

04.09.2019

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