Eine der ältesten Kirchen Lippes

Auftakt: 14. Lippischer Orgelsommer hat in Stapelage begonnen

Pfarrer Holger Teßnow berichtete, dass der Stapelager Taufstein möglicherweise der älteste in Lippe sei.

Lage-Stapelage/Kreis Lippe. Der Lippische Orgelsommer steht auch in seinem 14. Jahr unter dem mittlerweile fast schon traditionellen Motto der drei „K‘s“: Kirche - Kaffee - Konzert. Kirchenrat Tobias Treseler und Friedrich Brakemeier, ehemaliger Vorsitzender des Lippischen Heimatbundes und jetzt Beauftragter für den Orgelsommer, eröffneten die beliebte Veranstaltungsreihe von Landeskirche und Heimatbund am Sonntag, 14. Juli 2019, in der evangelisch-reformierten Kirche Stapelage.

Zum Auftakt der 14. Staffel des Orgelsommers stellte Pfarrer Holger Teßnow den Besuchern die Geschichte der Kirche vor. Nach der Kaffeepause erklang ein Orgelkonzert von Kantor Gregor Schwarz zum 50-jährigen Bestehen der Steinmann-Orgel. Er hatte das Konzert unter die Überschrift gestellt „Werke rund um, aber nicht von J. S. Bach“. Dabei spannte er einen Bogen von den beiden Bach-Söhnen Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel bis in die Gegenwart.

Friedrich Brakemeier berichtete vor 280 Gästen, dass er beim Auftakt des ersten Orgelsommers skeptisch gewesen sei, ob die Verknüpfung von Kirchenführung, Orgelkonzert und Kaffeetafel akzeptiert werde. Diese Zweifel seien unbegründet gewesen. Mittlerweile gebe es sogar eine Warteliste für Kirchen, die am Orgelsommer teilnehmen wollten.

Kirchenrat Tobias Treseler erinnerte daran, dass Orgelbau und Orgelmusik im Jahr 2017 von der UNESCO zum „Immateriellen Kulturerbe“ erklärt worden seien. Die Lippische Landeskirche habe stets ein besonderes Augenmerk auf die Orgeln in ihren Kirchen gelegt. Das Konzert in Stapelage biete viele Bezüge zum aktuellen musikalischen Projekt der lippischen Kirchengemeinden: „Mit Bach durchs Jahr 2019“.

Pfarrer Holger Teßnow erläuterte, dass die frühere fränkisch-sächsische Hofstätte Stapelage mit einer der ältesten Kirchen Lippes ein besonders geschichtsträchtiger Ort sei. Die Ortsbezeichnung Stapelage leite sich wahrscheinlich von „Stapel = Gerichtstisch“ ab.

Stapelage bzw. die dortige Kirche wurden als Schenkung zur Gründung des Klosters Marienfeld urkundlich erstmals 1185 erwähnt. Es sei Leopold Möller gewesen, der mit von ihm privat initiierten Ausgrabungsarbeiten in den 1960er Jahren nachgewiesen habe, dass die Kirchengründung bedeutend früher, nämlich bereits in karolingischer Zeit (um 790) erfolgt sei. Der einstige Lagenser Bürgermeister und ehemalige Leiter der früheren landeskirchlichen Tagungsstätte Haus Stapelage habe durch seine Entdeckungen die archäologische Fachwelt davon überzeugt, dass Stapelage Sitz eines sächsischen Edelmanns gewesen sei. Seinem Nachfolger verlieh Karl der Große die Rechte eines Gaugrafen, der in seinem Bezirk die Gerichtsbarkeit ausübte. Um 800 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zum Grafenhof die erste Kirche errichtet. Die Kirche wurde mehrfach umgebaut. Der um 1100 errichtete romanische Turm ist bis heute erhalten.

Der letzte Umbau (1759 - 1761), der nahezu ein Neubau war, trug der Einführung des reformierten Bekenntnisses in Lippe im Jahr 1605 Rechnung. Der Altar im Chorraum vor der im Kirchenschiff sitzenden Gemeinde wurde entfernt und durch einen Abendmahlstisch mitten im Saal ersetzt. Holger Teßnow: „Das ist eine nicht-hierarchische Anordnung. Es gibt kein Vorn und kein Hinten, kein Oben und kein Unten. Kanzel und Abendmahlstisch, also Wort und Sakrament, stehen im Mittelpunkt des Kirchenraumes.“ Die heutige Gestalt der Stapelager Kirche sei ein typisches Beispiel reformierter Kirchenarchitektur.

Der Taufstein in der Kirche, so Pfarrer Teßnow, werde auf die Zeit zwischen 1100 und 1150 datiert. Möglicherweise sei er der älteste Taufstein in Lippe. Eine Untersuchung des verwendeten Sandsteins habe ergeben, dass dieser von den Externsteinen stamme. Weitere Infos zum Lippischen Orgelsommer: www.lippische-landeskirche.de/termine

 

 

 

30.07.2019

Mit Bach durchs Jahr 2019: eine wunderbare Idee gewinnt Gestalt.

Bachs 334. Geburtstag und sein 269. Todestag liegen im Jahr 2019. Das ist kein wirklich rundes Jubiläum. Doch braucht man das, um die Musik Johann Sebastian Bachs aufzuführen? „Nein“, sagen sich Gemeinden quer durch Lippe und laden unter dem Motto „2019 - mit Bach durchs Jahr“ ein.
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