Landwirtschaft und Naturschutz als Partner

150 Gäste auf dem Evangelischen Bauerntag in Schwalenberg

Evangelischer Bauerntag 2018 in Schwalenberg. Mit Pfarrerin Margret Noltensmeier, Adolf Meier zu Döldissen, Prof. Dr. Ulrich Riedl und Superintendent Dirk Hauptmeier (von links).

Kreis Lippe/Schieder-Schwalenberg. „Wer ist für eine intakte Landschaft verantwortlich?“ Mit dieser Frage hat sich der Evangelische Bauerntag der Lippischen Landeskirche in Schwalenberg befasst. Adolf Meier zu Döldissen, Vorsitzender der Kammer für den ländlichen Raum und Superintendent Dirk Hauptmeier, Beauftragter für den ländlichen Raum, konnten rund 150 Gäste in der evangelisch-reformierten Kirche begrüßen.


Die Andacht hielt Pfarrerin Margret Noltensmeier über das Gleichnis vom reichen Kornbauern (Lukas 12,16-21), in dem sich alle wiederfinden könnten: „Das Feld hat wohl getragen und er will Vorräte anlegen und sein Leben genießen.“ Aber der Kornbauer reduziere sein Wohlergehen auf materielle Werte und Eigenleistungen. „Wir können jedoch nichts leisten, wenn andere uns nicht stützen und Gott das Gedeihen schenkt.“

Nach der Cafeteria im Gemeindehaus, die der LandFrauenverband Lippe Süd-Ost ausrichtete, referierte Prof. Dr. Ulrich Riedl über Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Riedl ist Professor für Landschaftsökologie und Naturschutz der Hochschule OWL und hat viele Landschaftsplanungsprojekte begleitet. Jede Landschaft habe ihr eigenes Gesicht, das sich im Laufe der Zeit verändere. Der Wortstamm beziehe das „Schaffen“ und damit den bewirtschaftenden Menschen ein. „Menschen tragen Verantwortung für eine artenreiche Kulturlandschaft. Landschaften werden unterschiedlich wahrgenommen und bewertet.“

Viele schutzwürdige Landschaften mit hoher Biodiversität (Artenvielfalt) seien der Landwirtschaft zu verdanken. Gleichzeitig verschwänden aufgrund der Intensivierung von Teilen der Landwirtschaft jedoch viele Arten und Biotope.

Von den Ackerwildkräutern sei heute ein Drittel gefährdet. Der Acker-Rittersporn sei vielerorts ausgestorben. Auch der Bestand der Agrarvögel habe sich seit 1980 mehr als halbiert. Dem Rebhuhn zum Beispiel fehlten deckungs- und blütenreiche Randstreifen. „Landwirtschaft und Naturschutz müssen sich zusammenraufen", sagte Riedl. Gemeinsame Projekte auf freiwilliger Basis könnten Vorbildcharakter haben. Eine Alternative seien mehrjährige, bunte Blühmischungen für Biogasanlagen.

Wer sich als Mitgeschöpf zum Bilde Gottes verstehe, trage Verantwortung für die Schöpfung und müsse für Artenschutz eintreten. Das biblische Wort „Macht Euch die Erde untertan“ (Gen. 1, 28) sei kein Freibrief für schonungslose Ausbeutung der endlichen Ressourcen. Der zweite Schöpfungsbericht verbinde das „Bebauen und Bewahren", also Landwirtschaft und Naturschutz. Beide sollten sich nicht als Gegner, sondern vielmehr als Partner verstehen.

07.06.2018

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