Kita-Arbeit als Spagat

Fachtag der Familienzentren: Zwei Expertinnen zeigen, welchen Herausforderungen sich Erzieher stellen müssen

Volles Haus: Zahlreiche Mitarbeitende der Detmolder Familienzentren haben den Weg zum Fachtag im Berufskolleg der Stiftung Eben-Ezer gefunden. In der Bildmitte: Heide Mertens-Bürger, die über die Herausforderungen der täglichen Arbeit referiert.

Kreis Lippe/Lemgo. Bereits zum dritten Mal hat das Netzwerk Detmolder Familienzentren einen Fachtag veranstaltet. Es ging unter dem Motto "Wir schaffen das?" um die alltägliche Arbeit in den Familienzentren. Ausrichter im Berufskolleg der Stiftung Eben-Ezer (Lemgo) war die Ev. Familienbildung der Lippischen Landeskirche. Der gemeinsame Blick der Ev. Familienbildung mit den Familienzentren auf das, was Familien brauchten, sei wichtiger Bestandteil der Arbeit, erläuterte Bildungsreferentin Antje Höper.

In einem Impulsvortrag zeigten zwei Expertinnen aus Münster, wie den Herausforderungen mit einer veränderten Haltung begegnet werden kann.

Denn der "Spagat zwischen Idealen, Anforderungen und Herausforderungen", wie er im Untertitel der Tagung beschrieben wurde, beginnt Heidi Mertens-Bürger zufolge oft bei den eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen. Die Diplom-Sozialpädagogin begleitet unter anderem die Führungskräftezirkel für Stellv. Leitungen der Stadt Münster. Sie skizzierte die Entwicklung der Kitas ab 2005 hin zu Familienzentren und die damit einhergehende Erweiterung des Leistungsspektrums: "Familienzentren übernehmen Aufgaben der kommunalen Sozialpolitik und sind somit ein besonderes Angebot der Jugendhilfe", betonte sie. Die Anforderungen an alle Beteiligten steigen: Es gebe einen Bedarf an Beratung und Unterstützung für Kinder und Familien, Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Förderung von Familienbildung und Erziehungspartnerschaft angesichts einer sich verändernden Elterngeneration.

"Es ist eine hochqualifizierte Arbeit, die genauso bezahlt werden müsste wie bei Grundschullehrern", resümierte sie deutlich. "Wir begleiten Kinder und Familien in einem der wichtigsten Entwicklungsfelder der Kindheit."

Diplom-Psychologin Dr. Gerlinde Dingerkus, Leiterin der Ansprechstelle zur Palliativversorgung, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung (ALPHA) Westfalen, stellte eine Studie vor, die Erziehern ein hohes Burnout-Risiko attestierte. Das Wohnumfeld der Einrichtungen habe dabei eher keinen Einfluss auf die Stressbelastung – zumindest nicht in sogenannten sozialen Brennpunkten. Es gebe eher einen, wenn auch schwach ausgeprägten Zusammenhang zwischen dem Druck, den die Erzieherinnen erleben, und den höheren Ansprüchen von Eltern in einem gehobeneren Wohnumfeld.

Helfen könne im Arbeitsalltag einerseits eine Verhältnisprävention (angemessene Gruppengrößen, konstruktive Konfliktbewältigung, transparente Abläufe), aber auch eine Verhaltensprävention: "Überprüfen Sie Ihre Einstellung", betonte Dingerkus. "Richten Sie nicht im egoistischen, aber im positiven Sinn den Blick immer wieder auf sich."
In seiner Andacht zum Fachtag erinnerte Landespfarrer Horst-Dieter Mellies mit dem Propheten Elia an den vielleicht ersten Burnout-Fall der Menschheitsgeschichte. "Als er in der Wüste zusammenbricht, erscheint ein Fremder, der ihm frische Brötchen bringt", erzählte Mellies. "Vielleicht kann der heutige Tag auch so eine Unterstützung sein."

02.02.2018

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