Mit kühlen Kirchen sparen

Ingenieur Jürgen Kannegießer gab Kirchengemeinden Energiespartipps

Jürgen Kannegießer (Mitte), Heinrich Mühlenmeier, Umweltbeauftragter der Lippischen Landeskirche (links) und Klaus Michael, Leiter des Detmolder Niedrig-Energie-Instituts (rechts), gingen der Frage nach, wie sich Kirchen energiesparend und kostengünstig beheizen lassen.

Detmold. „Wir müssen möglicherweise einen Komfortverlust in Kauf nehmen, wenn wir Energie sparen wollen.“ Für Jürgen Kannegießer, Ingenieur aus Münster und Experte für energetische Sanierungen von Kirchengebäuden, steht außer Frage, dass viele Kirchengemeinden noch nicht das Energieeinsparpotenzial entdeckt haben, das in der Beheizung ihrer Kirchen schlummert. In einem Vortrag am Mittwoch, 7. Februar, im Ev. Gemeindehaus Remmighausen gab Kannegießer den Vertretern von etwa 20 lippischen Kirchengemeinden Anregungen, wie sie Energie einsparen können.

Die Veranstaltung war der Beitrag des Umweltbeauftragten der Lippischen Landeskirche, Heinrich Mühlenmeier, zu den Lippischen Altbau-Sanierungswochen 2007, die das Detmolder Niedrig-Energie-Institut durchführt.

Es gehöre mittlerweile zum Allgemeinwissen, so Kannegießer, dass die Verringerung des Heizenergieverbrauchs die Kosten senke, zum Klimaschutz beisteuere und einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung leiste. Doch während für die energetische Sanierung von Wohnräumen eine Reihe von Maßnahmen zur Verfügung stehe, zum Beispiel eine nachträgliche Gebäudedämmung oder eine Modernisierung der Heizungsanlage, sei die Sachlage bei Kirchen anders. „Jede Kirche ist ein Unikat“, sagte Kannegießer und verdeutlichte: „Alte Kirchen sind nicht zum Beheizen gebaut worden.“ Und bei Kirchen, die in den Aufbaujahren nach Ende des 2. Weltkriegs errichtet worden seien, habe das Thema „sparsame Heizung“ wegen der relativ geringen Energiekosten keine Rolle gespielt.

Um Heizkosten zu senken, sollten die Gemeinden sich verdeutlichen, zu welchen Zeiten und von welchen Besuchern ihre Kirche benutzt werde. Für den sonntäglichen Gottesdienst sei eine Temperatur von 16 Grad Celsius ausreichend. Fänden längere Konzerte statt, seien auch 20 Grad angemessen. Unterhalb dieser Marke fühlten sich weder die Besucher noch die Musiker oder Chöre wohl. Für eine „verlässlich geöffnete Kirche“ sei eine Temperatur von 14 Grad während der Woche genug.

Senke man die Raumtemperatur bei hoher Luftfeuchtigkeit allerdings allzu schnell, schlüge sich an den kältesten Stellen des Kirchenschiffs (Fenster, Eingangsnähe) Kondenswasser nieder, was zu Schimmel führen könne. In diesem Zusammenhang warnte Jürgen Kannegießer eindringlich davor, bei Renovierungen das Kircheninnere mit Dispersionsfarbe zu streichen, die keinen Wasserdampf durchlasse, weil diese die Feuchtigkeitsabgabe und

-aufnahme des Mauerwerks verhindere. Kannegießers Empfehlung: „Nehmen Sie Silikatfarbe!“

Es sei nicht notwendig, so Kannegießer weiter, Kirchen bei jeder Nutzung in Gänze zu beheizen. Wenn zum Beispiel der Organist probe, reiche es aus, den Raum bei der Orgel punktuell zu temperieren, eventuell durch eine separat einzuschaltende Zusatzheizung. In der kälteren Jahreszeit sollte auch nach gut besuchten Gottesdiensten nur sparsamst gelüftet werden. Es sei in der Regel falsch zu glauben, dass nach Gottesdiensten die Luftfeuchte zu hoch sei. Die Installation eines Luftfeuchtemessers (Hygrometer) werde auch den letzten Skeptiker überzeugen.

Jürgen Kannegießer riet dazu, zur Verringerung von Wärmeverlusten an den Eingängen konsequent Windfänge zu nutzen. Diese sollten allerdings nicht zu knapp bemessen sein. Eine sehr aufwändige Maßnahme sei die nachträgliche Gewölbedämmung. Kannegießer: „Eine Dämmung ist möglich. Hier muss aber sehr sorgfältig gearbeitet werden, sonst stellen sich später größere Gebäudeschäden ein, weil eine solche Dämmung eine gravierende Veränderung der Bauphysik bedeutet.“ Der Experte riet den Kirchengemeinden, ihre Küster in Fragen der Heizungssteuerung und Lüftung fachkundig schulen zu lassen. Dann könne die Innenraumtemperatur bedarfsgerecht geregelt und eventuell in Maßen herabgesetzt werden, ohne dass bauphysikalische Spätfolgen zu befürchten seien. Möglicherweise würden sich einige Gottesdienstbesucher beschweren, weil es früher wärmer gewesen sei, aber dieser Komfortverlust sei zumutbar. Kannegießer: „Wenn wir uns nicht ändern, ändert sich nichts. Oder wir nehmen die Folgen aus der Klimaerwärmung ernst und verändern etwas.“

09.02.2007

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