Das Gemeinsame suchen

Reformationsjubiläum, Ökumene und Flüchtlingsarbeit Themen im Bericht des Landeskirchenrates

Kreis Lippe/Detmold. Landessuperintendent Dietmar Arends hat auf der Herbstsynode der Lippischen Landeskirche am Montag, 21. November, den Bericht des Landeskirchenrates vorgelegt. Er befasst sich unter anderem mit den Feiern zu 500 Jahre Reformation, die in Lippe unter dem Motto „Gemeinsam frei“ stehen. Das Jubiläum werde in dem tiefen Bewusstsein gefeiert, dass die Kirchen und Konfessionen in den 500 Jahren einen Weg miteinander gegangen seien, auf dem sie „aneinander schuldig“ wurden, der sie aber auch in den letzten Jahrzehnten wieder näher zueinanderführte, so Arends: „Es ist das erste große Reformationsjubiläum, das in einem ökumenischen Zeitalter gefeiert werden kann. Wir halten uns nicht das Trennende vor, sondern wir suchen das Gemeinsame, ohne jedoch eigene Standpunkte zu verleugnen“.

In Lippe sind zahlreiche Gottesdienste und Veranstaltungen geplant. Darin spielen neben den Kirchen die Kultur- und Bildungseinrichtungen eine große Rolle. Dietmar Arends: „Allein drei größere Ausstellungen wird es im kommenden Jahr geben, im Weserrenaissance-Museum Brake, im Hexenbürgermeisterhaus Lemgo und im Lippischen Landesmuseum Detmold. Viele andere Einrichtungen und Institutionen in Lippe beteiligen sich oder entwickeln eigene Angebote zum Reformationsjubiläum“. Dieses Miteinander in Lippe sei etwas sehr Besonderes: „Da haben wir allen Grund dankbar zu sein und dieses Miteinander zu pflegen.“

 

Im abgelaufenen Jahr der Reformationsdekade „Reformation und die Eine Welt – Weite wirkt“ hat die Lippische Landeskirche einen besonderen Fokus auf die Ökumene gelegt – mit Reisen zu Gesprächen in die Partnerkirchen oder auch mit dem 3. Ökumenischen Kirchentag in Lippe. Die Kirchenverfassung beschreibe neben der Diakonie auch die Mission als „Wesens- und Lebensäußerung“, hebt Arends hervor. Demnach gehöre auch die Ökumene zum Wesen des Kircheseins hinzu.

Ein ökumenischen Großereignis steht im Jahr des Reformationsjubiläums bevor: Die Lippische Landeskirche ist im Juni gemeinsam mit dem Reformierten Bund und der Evangelisch-reformierten Kirche Gastgeberin der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in Leipzig. Es werden 1.200 Delegierte aus über 100 Ländern und wegweisende ökumenische Impulse erwartet.
 

Ein weiterer Schwerpunkt des Landeskirchenratsberichts ist die Flüchtlingsthematik. Leider sei ein Paradigmenwechsel in der Flüchtlingspolitik zu beobachten: „Wir haben uns wegbewegt von einer großen Aufnahmebereitschaft und der damit verbundenen sogenannten ‚Willkommenskultur‘. Längst geht es darum, den Zuzug von Flüchtlingen zu verhindern“, so Landessuperintendent Dietmar Arends. „Mit großer Besorgnis nehmen wir wahr, dass hier mit Blick auf die Wahlen und Erfolge der AFD große menschliche Härten Einzug in die Flüchtlingspolitik halten.“ Das Asylpaket II sehe die Aussetzung des Familiennachzugs  für die sogenannten subsidiär geschützten Flüchtlinge vor. Nach der Verabschiedung sei die Zahl der nur subsidiär Geschützten aus Syrien  plötzlich auf jetzt gut 60 Prozent gestiegen. „Wir erleben viele verzweifelte Männer, die keine Chance mehr sehen, ihre Familien nachzuholen. Teilweise ist zu beobachten, dass Menschen zurückkehren zu ihren Familien ins Kriegsgebiet.“ Durch die Vereinbarung zwischen der EU und der Türkei strandeten nun viele Flüchtlinge in Griechenland, wo kaum Asylanträge aufgenommen und bearbeitet würden.  Andere lebten in der Türkei in zum Teil abgeriegelten Lagern ohne zivilgesellschaftlichen Zugang oder ein geordnetes Asylverfahren. Die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Türkei in die EU und auch die Verteilung aus Italien und Griechenland funktioniere nicht. Dietmar Arends: „Wenn wir bei uns zurückgehende Flüchtlingszahlen beobachten, dann sollten wir nicht vergessen, auf wessen Rücken dies geschieht, auf dem Rücken der Flüchtlinge selbst.“

Auch das Erstarken von rechtsextremen und rechtspopulistischen Kräften bereite große Sorge, so Arends weiter: „Dem müssen wir als Kirche in aller Klarheit und Deutlichkeit widersprechen. Wir haben daran zu erinnern, dass jedem Menschen unabhängig von seiner Herkunft, seiner Kultur, seiner Religion, seiner geschlechtlichen Orientierung eine Würde zukommt und dass er entsprechend zu behandeln ist. Jeder Mensch ist und bleibt Ebenbild Gottes.“

Zu den Herausforderungen der Flüchtlingsarbeit in Lippe gehöre zum Beispiel die Begleitung der vielen Ehrenamtlichen oder auch die Integration von Flüchtlingen, die sich für christliche Gemeinde interessieren, in Kirchengemeinden. Es gebe bereits Bibelkreise, internationale Gottesdienste und Taufvorbereitungskurse. Hier müssten unter anderem Standards und Materialien entwickelt oder zur Verfügung gestellt werden.

 

 

 

 


Weitere Infos zur Lippischen Landeskirche:

Rund 163.000 Gemeindeglieder
69 reformierte und lutherische Gemeinden (58 ref., 10 luth., 1 ev.*)
4 reformierte und 1 lutherische Klasse
56 Synodale
 

*  Lockhausen-Ahmsen ist eine evangelische Kirchengemeinde mit Mitgliedschaft in der reformierten Klasse West und in der Lutherischen Klasse.

27.11.2016

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