Leben oder Öl

Der Yasuni-Nationalpark in Ecuador

Informierten über den Yasuni-Nationalpark: Ute Koczy, Jorge Jurado, Heinrich Mühlenmeier, Nils Huchthausen (v.l.)

Detmold. „Leben oder Öl“ war eine Veranstaltung im Gemeindehaus der evangelisch- reformierten Kirchengemeinde Detmold-Ost am Markt überschrieben. Eine Alternative, die am Beispiel des Yasuni-Nationalparks in Ecuador sehr konkret wurde. Jorge Jurado, Botschafter der Republik Ecuador, und die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Ute Koczy, informierten über das Yasuni-Projekt und stellten sich anschließend einer Diskussion.

„Entweder Bewahrung der Natur oder Ausbeutung der unter dem Reservat befindlichen Ölvorkommen“, hatte Pfarrer Nils Huchthausen, der gemeinsam mit Heinrich Mühlenmeier, Umweltbeauftragter der Lippischen Landeskirche, die Veranstaltung moderierte, bei der Begrüßung der Gäste die Alternativen für das UNESCO-Biosphärenreservat Yasuni konkretisiert.
Die seit fünf Jahren im Amt befindliche ecuadorianische Regierung mit Präsident Rafael Correa an der Spitze legt demnach großen Wert auf Umwelt- und Naturschutz. Botschafter Jorge Jurado schilderte diese positive Entwicklung Ecuadors. Er erläuterte die Fortschritte, die sein Land auf dem Weg zur Schuldenfreiheit und zu mehr sozialer Gerechtigkeit gemacht hat: „Wir haben erkannt, dass man einen bestimmten Wohlstand erreichen kann, ohne, wie andere Länder, auf unendliches Wachstum zu setzen“, so Jurado. Man wolle sich gesellschaftlich weiterentwickeln, aber nicht auf Kosten der Natur.
2007 erreichte die Staatengemeinschaft darum ein ungewöhnlicher Vorschlag aus Ecuador: Das Ölfeld unter dem Nationalpark Yasuni, in dem 846 Millionen Barrel Öl lagern, wird nicht ausgebeutet.
Dafür trägt die Weltgemeinschaft 50 Prozent der Summe, oder 3,5 Milliarden US-Dollar, die Ecuador dadurch verloren gehen, dass nicht gefördert wird. Sie zahlt also quasi dafür, dass 407 Millionen Tonnen Kohlendioxyd nicht in die Atmosphäre gelangen.
Die weltweiten Reaktionen auf den Vorschlag aus Ecuador seien sehr positiv gewesen, aber „wenn man wirklich blechen muss, sieht die Situation anders aus“, meinte der Botschafter.
Von den 3,5 Milliarden US-Dollar, die auf 13 Jahre verteilt, gezahlt werden sollen, seien bisher 350 Millionen Dollar dem von der UN verwalteten Treuhandfonds zugesagt.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit unter Minister Dirk Niebel (FDP) lehnt eine Einzahlung in das Yasuni-ITT – Projekt ab, dennoch hat die Bundesregierung insgesamt 34,5 Millionen Euro für die Gesamtregion zur Verfügung gestellt.
Ute Koczy begrüßte das Projekt als „Momentum – hier läuft etwas anders als sonst“ und unterstützt es, auch gemeinsam mit anderen Bundestagsabgeordneten, intensiv.
„Es ist unser Ölhunger der dieses Gebiet kaputt macht“, stellte sie fest. Sie berichtete über Bedrohung des Gebiets und der Bevölkerung durch die bisherige Ölforderung und durch „Besiedlung, Märkte und Schifffahrt“. Der Ansatz der Regierung Corrado sei schon revolutionär und es sei wünschenswert, dass man viele solche Orte wie Yasuni habe, denn vom Grundsatz her gelte „so viel Nationalpark wie möglich“.
In der anschließenden Diskussion wurde aber auch die Argumentation, dass die Nichtförderung von Öl den Ausstoß von Kohlendioxid verhindere, weil das Öl nach der Förderung nicht verbrannt werde, als „gefährliches Argument“ bezeichnet. Die meisten Zuhörer zeigten sich überzeugt, dass das Yasuni-Projekt unterstützt werden müsse.
Info: www.yasuni-itt.gob.ec
 

28.01.2013

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