Klima und Flüchtlinge

Dr. Tamer Afifi: „Tendenz zu kleinräumiger Migration“

Im Gespräch: Heinrich Mühlenmeier, Dr. Tamer Afifi, Dieter Bökemeier

Detmold. Wie ist der Zusammenhang zwischen Klimawandel, Flucht und Migration? Das war die zentrale Frage, um die es bei einer Veranstaltung der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Detmold-Ost und der Lippischen Landeskirche ging.

Ein Gottesdienst in der Erlöserkirche am Markt und eine, von Mitgliedern der Gemeinde und des Eine-Welt-Ladens Alavanyo servierte Suppe aus fair gehandelten Produkten, schufen die Grundlage für das anschließende Referat im Gemeindezentrum.
Heinrich Mühlenmeier (Umwelt) und Pfarrer Dieter Bökemeier (Flüchtlingsarbeit), Beauftragte der Lippischen Landeskirche, hatten in der Gestaltung des Gottesdienstes bereits auf die Zunahme von Umweltkatastrophen mit all ihren Folgen hingewiesen.
Dr. Tamer Afifi, Associate Academic Officer der Universität der Vereinten Nationen, vom Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit, sprach anschließend über „Flucht und Migration durch Klimawandel. Eine globale Herausforderung“.
Dr. Afifi wies zunächst darauf hin, dass es im Völkerrecht keine Definition des Begriffs Umweltflüchtlings gebe. Erstmals 1985 habe man im UN-Umweltprogramm dafür eine Definition gefunden. Das sei aber auch in späteren Programmen kein oder nur ein Randthema gewesen. Dass Naturkatastrophen im 21. Jahrhundert zu mehr Migration führen können, sei allerdings schon ein Thema. Darüber, wie viele Umwelt-/Klimamigranten es jetzt und in Zukunft geben wird, gebe es aber nur Vermutungen, die sehr unterschiedlich ausfielen, so der Referent.
Acht weltweite Fallstudien der UN-Universität sollen dazu konkretes Material liefern, das wiederum Politiker und anderen bei der Entscheidungsfindung helfen soll. In der Untersuchung werden, je nach Schwere der Beeinträchtigung ihrer Umgebung, drei Gruppen von Migranten unterschieden. Das reicht bis zu denen, die fliehen müssen, weil ihr Leben von Umweltschäden akut bedroht ist.
Dr. Tamer Afifi stellte fest, dass die Fallstudien bei den Betroffenen bisher eher eine Tendenz zu „kleinräumiger Migration“ bestätigen. In aller Regel seien die Lebensverhältnisse der Bauern und Hirten beeinflusst, die von den Erträgen des Landes leben. Sie tendierten dazu „nicht international zu migrieren“ und nur vorübergehend die Dörfer und Regionen zu verlassen. Allerdings würde wegen der Klimaveränderungen daraus neuerdings immer mehr eine dauerhafte Migration.
Dass Umwelt- und Klimaveränderungen langfristig jedoch zu immer mehr örtlichen Konflikten führen und damit auch Einfluss auf die Migration in Richtung der reichen Länder haben werden, darüber waren sich die Anwesenden in der anschließenden Diskussion einig.
 

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