Klimaschutz - aber wie?

Podiumsdiskussion zu energiepolitischen Fragen

Auf dem Podium erörterten (von links) Hubert Weiger, Gudrun Kopp, Moderatorin Waltraud Offermann, Dirk Becker und Wilfried Steen energiepolitische Forderungen und Positionen.

Kreis Lippe/Detmold. Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke oder möglichst schnelles Abschalten der Atomanlagen? Neubau von Kohlekraftwerken oder Ausbau erneuerbarer Energien? Diese und weitere energiepolitische Fragen standen im Mittelpunkt eines Diskussionsabends, zu dem die Klima-Allianz eingeladen hatte, ein Zusammenschluss von mehr als 100 Organisationen, darunter die Lippische Landeskirche.

Die lippischen Bundestagsabgeordneten Gudrun Kopp (FDP, Lage), Dirk Becker (SPD, Oerlinghausen) sowie Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), und Wilfried Steen, Vorstand des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED), legten am Donnerstag, 6. August, in der Detmolder Stadthalle ihre Meinung dar zum Themenkreis „Wirtschafts-, Energie- und Klimakrise - welchen Weg wählt Deutschland?“
BUND-Vorsitzender Weiger bekräftigte, dass nach seiner Überzeugung die anstehende Bundestagswahl hinsichtlich der zukünftigen Bedeutung der Atomenergie eine „Richtungsentscheidung“ sei. Während sich CDU/CSU und FDP für eine Laufzeitverlängerung bestehender Kernkraftwerke aussprächen, wollten SPD und Bündnisgrüne am für das Jahr 2020 in Aussicht gestellten „vollständigen Atomausstieg“ festhalten. Weiger warf der SPD vor, den entfallenden Strom aus Nuklearanlagen durch Elektrizität aus neuen Kohlekraftwerken ersetzen zu wollen. Die Atomenergienutzung sei hochriskant und belaste wegen der Atommüllentsorgung kommende Generationen mit enormen Folgekosten. Neue Kohlekraftwerke würden durch ihre Treibhausgase den Klimawandel beschleunigen. Nach Auffassung des BUND sei es möglich, ab 2050 den deutschen Energiebedarf vollständig aus erneuerbaren Energien zu decken. Dazu müsse man die energetische Gebäudesanierung vorantreiben, die Energieeffizienz steigern und die Forschung intensivieren, um Energie aus Wind und Sonne zu speichern.
„Es ist zur Zeit illusorisch, ab 2050 ausschließlich auf erneuerbare Energien setzen zu wollen“, widersprach Gudrun Kopp dem BUND-Chef, wenngleich auch die FDP langfristig eine kohlendioxidneutrale Energieproduktion anstrebe. Als Industriestandort benötige Deutschland zur Sicherung seiner Arbeitsplätze eine verlässliche Grundlast-Stromversorgung, wie sie derzeit nur ein „breiter Energiemix“ aus fossilen, erneuerbaren und nuklearen Quellen gewährleiste. Energiepolitik müsse sich an den drei gleichrangigen Faktoren „Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit“ orientieren, sagte die Abgeordnete. Die Laufzeiten sicherer Kernkraftwerke sollten verlängert werden. Im Gegenzug müssten deren Betreiber einen Teil der finanziellen Vorteile abführen, um innovative Energietechnologien zu fördern, vorrangig Speichertechniken für erneuerbare Energien.
MdB Dirk Becker betonte in Abgrenzung zu Gudrun Kopp, dass der Verzicht auf Atomstrom „Deutschland nicht in die Krise stürzen“ werde. Am Atomausstieg 2020 halte die SPD fest. Neue Kohlekraftwerke würden gebaut, um ineffiziente Braunkohlekraftwerke zu ersetzen; trügen also im Gegensatz zu Hubert Weigers Überzeugung zu einer Treibhausgasreduktion bei. Gleichwohl wolle die SPD „so schnell wie möglich raus aus der Kohle“. Investitionen in erneuerbare Energien müssten vorrangig erfolgen, denn „grüne Industriepolitik ist ein Wachstumsmarkt der Zukunft.“ Der Ausbau erneuerbarer Energien könne ein Jobmotor sein.
EED-Vorstand Wilfried Steen bescheinigte dem Podium, sich während der Diskussion sehr sachlich und engagiert den Energie- und Klimafragen gestellt zu haben. Er habe den Eindruck, dass sich die Politik ernsthaft um einen Weg „aus der Atomenergie und weg von fossilen Energieträgern“ bemühe. Letzteres sei dringend notwendig, denn der Klimawandel sei ein „Weltproblem“, bedrohe besonders die armen Länder dieser Welt und führe dort zu Katastrophen. Steen bat die Politiker, ihren guten Worten klimaschützende Taten folgen zu lassen und die Entwicklungsländer bei der Bewältigung der Folgen des bisherigen Klimawandels zu unterstützen.

10.08.2009

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